Was ist Östrogendominanz?

© Adobe Stock / Natalie

Östrogendominanz beschreibt ein Ungleichgewicht, bei dem Östrogen im Verhältnis zu Progesteron überwiegt. Nicht unbedingt, weil zu viel Östrogen da ist, sondern oft, weil zu wenig Progesteron dagegenhält.

Dieser Punkt ist der ganze Kern: In der Perimenopause ist Östrogendominanz meistens ein Progesteronmangel mit einem irreführenden Namen.

Ein Begriff, kein Befund

Das muss an dieser Stelle gesagt werden, auch wenn es unbequem ist: Östrogendominanz ist keine Diagnose im medizinischen Sinn. Sie steht in keiner Leitlinie, und es gibt keine festgelegten Grenzwerte, ab denen sie vorliegt. Wenn du mit diesem Begriff zu einer Gynäkologin gehst, kann es passieren, dass sie damit nichts anfangen kann und das ist kein Zeichen dafür, dass sie schlecht informiert ist.

Das heißt nicht, dass deine Beschwerden eingebildet sind. Es heißt, dass der Begriff beschreibt, was du spürst, aber nicht erklärt, was zu tun ist. Deshalb hilft es, ihn zu verstehen — und dann im Arztgespräch die Symptome zu nennen statt des Etiketts.

Warum das in der Perimenopause so häufig ist

In der Perimenopause findet der Eisprung seltener zuverlässig statt. Ohne Eisprung bildet sich kein Gelbkörper, und ohne Gelbkörper entsteht kaum Progesteron.

Östrogen dagegen sinkt in dieser Phase nicht einfach ab. Es schwankt und liegt zeitweise sogar höher als in den Jahren davor. Zwei Entwicklungen, die in dieselbe Richtung laufen: Das Verhältnis kippt, obwohl der absolute Östrogenwert normal oder sogar niedrig sein kann.

Genau deshalb ist ein einzelner Blutwert hier so wenig aussagekräftig. Er misst einen Morgen, nicht ein Verhältnis über einen Zyklus.

Womit der Begriff in Verbindung gebracht wird

  • starke oder verlängerte Blutungen

  • Brustspannen und empfindliche Brüste

  • Wassereinlagerungen und Blähbauch

  • PMS, das stärker wird als früher

  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen

  • Schlafstörungen, besonders in der zweiten Zyklushälfte

  • Kopfschmerzen oder Migräne vor der Periode

Das Problem an dieser Liste: Sie ist so breit, dass fast jede Frau in dieser Lebensphase sich darin wiederfindet. Und genau damit wird oft Geld verdient.

Was von den Tests zu halten ist

Speicheltests und Urin-Hormonprofile werden online und in Praxen viel verkauft. Für die Beurteilung des Hormonhaushalts in der Perimenopause sind sie nicht etabliert, die Werte schwanken stark und sind schwer zu interpretieren. Rechne damit, dass ein auffälliger Befund dir nichts sagt, was deine Beschwerden nicht schon gesagt haben.

Bluttests sind sinnvoll bei bestimmten Fragestellungen, aber nicht um eine Östrogendominanz zu beweisen, weil es nichts gibt, womit man sie vergleichen könnte. Mehr dazu auf der Seite Was ist ein Hormonstatus?

Was stattdessen zählt: acht Wochen Symptomprotokoll. Das erzählt eine Geschichte, die eine Ärztin einordnen kann. Ein einzelner Wert erzählt keine.

Was tatsächlich hilft

Gegen die Beschwerden, die unter diesem Begriff zusammengefasst werden, gibt es echte Optionen: zyklische Gestagengabe, eine Hormonersatztherapie, bei starken Blutungen eine Hormonspirale. Welche davon passt, entscheidet sich an deinen Symptomen und deiner Vorgeschichte, nicht an einem Laborwert.

Was die Leber und der Darm mit dem Östrogenabbau zu tun haben, wird in Ratgebern oft zu einem Versprechen aufgeblasen. Richtig ist: Beides ist am Abbau beteiligt. Falsch ist, dass sich damit ein Hormonungleichgewicht gezielt korrigieren ließe. Kreuzblütler, weniger Alkohol und Ballaststoffe sind gut für dich — sie sind keine Hormontherapie.

Diese Informationen ersetzen kein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.


Dein Beitrag zum Magazin

Dieses Magazin lebt nicht von mir allein.
Es lebt von Frauen, die irgendwann gesagt haben: Jetzt bin ich dran.

Vielleicht bist das du. Vielleicht hast du mit 54 nochmal alles umgeworfen.
Vielleicht hast du in den Wechseljahren etwas gelernt, das dir keine Ärztin erzählt hat. Vielleicht ist deine Geschichte auch einfach nur ein ehrlicher Satz über einen Dienstagmorgen, an dem du dich selbst nicht mehr erkannt hast.

Zurück
Zurück

Was ist eine Hormonersatztherapie?

Weiter
Weiter

Was ist ein Hormonstatus — und wann bringt er etwas?