Was macht Progesteron in den Wechseljahren?

© Adobe Stock / Natalie

Progesteron ist das Hormon der zweiten Zyklushälfte. Es entsteht nach dem Eisprung im Gelbkörper, bereitet die Gebärmutter auf eine Schwangerschaft vor und wirkt nebenbei beruhigend auf das Nervensystem. In der Perimenopause ist es meist das Hormon, das als Erstes zurückgeht, oft Jahre bevor das Östrogen sinkt.

Was es im Körper tut

In der Gebärmutter. Progesteron baut die Schleimhaut um und begrenzt ihr Wachstum. Fehlt es, während Östrogen weiter aufbaut, werden Blutungen stärker und unregelmäßiger. Das ist der Grund, warum manche Frauen in der Perimenopause die heftigsten Blutungen ihres Lebens erleben.

Im Gehirn. Progesteron wird zu Allopregnanolon abgebaut, und das wirkt an denselben Rezeptoren wie Beruhigungsmittel. Es dämpft, es macht schläfrig, es senkt die innere Anspannung. Fällt es weg, fällt diese Dämpfung weg.

Im Wasserhaushalt. Progesteron wirkt leicht entwässernd. Ohne dieses Gegengewicht nehmen Wassereinlagerungen zu.

In der Körpertemperatur. Nach dem Eisprung steigt die Basaltemperatur leicht an. Das ist der Grund, warum Zyklus-Tracking über die Temperatur funktioniert — und warum es in der Perimenopause unzuverlässig wird, wenn der Eisprung ausbleibt.

Warum es zuerst geht

Progesteron entsteht nur nach einem Eisprung. In der Perimenopause finden Zyklen zunehmend ohne Eisprung statt, äußerlich unauffällig, die Blutung kommt trotzdem. Aber in diesen Zyklen entsteht kaum Progesteron.

Das kann Jahre vor der ersten Hitzewallung beginnen. Und es erklärt, warum sich die ersten Wechseljahresbeschwerden oft gar nicht nach Wechseljahren anfühlen: Schlafprobleme, innere Unruhe, Gereiztheit vor der Periode, Herzklopfen am Abend.

Woran du einen Progesteronmangel merkst

  • Durchschlafprobleme, typisch zwischen zwei und vier Uhr

  • innere Unruhe, besonders abends

  • PMS, das stärker wird als früher

  • kürzere Zyklen, dann unregelmäßige

  • stärkere oder längere Blutungen

  • Brustspannen

  • Reizbarkeit, die nicht zur Lebenssituation passt

Ein Blutwert hilft hier nur bedingt: Progesteron schwankt im Zyklus so stark, dass eine Messung ohne Zyklustag nichts aussagt. Und in einem Zyklus ohne Eisprung ist es korrekterweise niedrig, das beweist nichts über die anderen Zyklen.

Wie es ersetzt wird

In der Hormontherapie wird Progesteron aus zwei Gründen gegeben.

Zum Schutz der Gebärmutterschleimhaut. Wer Östrogen bekommt und noch eine Gebärmutter hat, braucht zwingend ein Gestagen dazu. Östrogen allein lässt die Schleimhaut wachsen und erhöht das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Das ist keine Option, sondern Standard.

Gegen Beschwerden. Mikronisiertes Progesteron — chemisch identisch mit dem körpereigenen — wird abends eingenommen und wirkt bei vielen Frauen auf den Schlaf. Es ist nicht dasselbe wie die synthetischen Gestagene aus der Antibabypille, auch wenn beide als „Gestagen" bezeichnet werden.

Dosierung, Form und Dauer entscheidet deine Ärztin. Mehr zum Gesamtbild auf der Seite Was ist eine Hormonersatztherapie?

Diese Informationen ersetzen kein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.


Dein Beitrag zum Magazin

Dieses Magazin lebt nicht von mir allein.
Es lebt von Frauen, die irgendwann gesagt haben: Jetzt bin ich dran.

Vielleicht bist das du. Vielleicht hast du mit 54 nochmal alles umgeworfen.
Vielleicht hast du in den Wechseljahren etwas gelernt, das dir keine Ärztin erzählt hat. Vielleicht ist deine Geschichte auch einfach nur ein ehrlicher Satz über einen Dienstagmorgen, an dem du dich selbst nicht mehr erkannt hast.

Weiter
Weiter

Was ist eine Hormonersatztherapie?