Weltmenopausentag: Die Wechseljahre haben mein Leben nicht kleiner gemacht. Sie haben es größer Gemacht

Mit 39 war plötzlich Schluss. Keine Periode mehr. Von jetzt auf gleich. Heute weiß ich, dass es vorher schon Zeichen gab, viele sogar. Aber damals habe ich diese Zeichen überhaupt nicht mit den Wechseljahren verbunden.
Wie auch? Zwei Jahre vorher war ich noch zweimal gewollt schwanger gewesen. Beide Schwangerschaften habe ich im vierten Monat verloren. Mein Körper, mein Gefühl für mich selbst und meine Vorstellung davon, in welcher Lebensphase ich eigentlich bin, waren sowieso schon durcheinander. Und dann kamen die Wechseljahre. Viel zu früh.

Ich dachte: Jetzt beginnt die Unsichtbarkeit

Nadine mit 39…

Ich dachte damals nicht: Jetzt bin ich unsichtbar. Ich dachte: Jetzt fängt die Unsichtbarkeit an. Ich hatte das Gefühl, jetzt beginnt diese Phase, in der Frauen langsam aus dem Blick verschwinden. Weniger gesehen werden, weniger gefragt werden, weniger stattfinden. Und genau davor hatte ich Angst.

Damals gab es für mich keine große Community, in der ich mich wiedergefunden hätte. Keine Frauen in meinem Feed, bei denen ich dachte: Ah, okay, so kann das also auch aussehen. Keine große Lobby, keine Sprache dafür, keine Plattform. Und ich selbst hatte damals auch keine.

Jahre später bekam dieses Thema plötzlich eine Stimme

Jahre später bin ich eher durch Zufall Content Creatorin geworden. Die Wechseljahre hatte ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht als großes Thema auf dem Schirm. Ich war längst in der Postmenopause und dachte eher: Das liegt doch hinter mir. Dann kamen immer wieder Frauen auf mich zu. Meine Community, Unternehmen, Menschen aus der Gesundheitsbranche. Und plötzlich war dieses Thema wieder da. Nur diesmal stand ich auf der anderen Seite. Diesmal hatte ich eine Stimme. Diesmal konnte ich über all das sprechen, wofür ich damals selbst keine Worte hatte.

Ich bin keine Ärztin und keine Wissenschaftlerin. Ich bin auch nicht die Frau, die auf jede Hormonfrage die perfekte Antwort hat. Das ist gar nicht mein Anspruch. Ich kann nur erzählen, wie es für mich war, was ich gefühlt habe, was ich damals nicht verstanden habe und was danach passiert ist.

Ich möchte die Wechseljahre nicht schönreden. Sie können hart sein. Der Körper verändert sich, der Schlaf verändert sich, die Stimmung, die Energie und manchmal auch der Blick auf sich selbst. Aber ich möchte auch nicht, dass wir nur darüber sprechen, was wir verlieren. Denn heute sehe ich etwas, das ich damals mit 39 überhaupt nicht sehen konnte: Diese Lebensphase kann auch eine verdammt große Chance sein.

Was will eigentlich ich?

Nicht, weil plötzlich alles einfach wird, sondern weil irgendwann diese eine Frage auftaucht: Was will eigentlich ich?

Was will ich, wenn ich nicht zuerst daran denke, was mein Partner möchte, was meine Kinder brauchen, was meine Familie erwartet, was vernünftig wäre oder was man in meinem Alter angeblich noch macht oder nicht mehr macht?

Ich war immer zielstrebig. Wenn ich etwas wollte, konnte ich sehr konsequent sein. Aber ich hatte lange keine wirklich klaren eigenen Visionen. Für mich gehörte zu meinem Leben fast automatisch immer ein Partner. Ich dachte in „wir“, in Beziehungen, in gemeinsamen Plänen und gemeinsamen Entscheidungen. Und ich habe mich darin oft angepasst.

Nicht, weil jemand mich dazu gezwungen hat. Und ich möchte damit auch keine meiner Beziehungen schlechtreden. Das war ich selbst. Ich hatte einfach nie wirklich gelernt, mich unabhängig davon zu fragen, welche Ziele ich nur für mich habe, welche Vision ich von meinem Leben habe und was ich tun würde, wenn ich nicht darauf warten würde, dass jemand anderes mitkommt.

Aus einem Gedanken wurde MEIN SONG MENOFLOW

Und genau das hat sich verändert. Heute habe ich Visionen. Richtige Visionen. Ich weiß, wohin ich will. Ich habe FREE TO BE ME aufgebaut, ich mache Camps für Frauen, fahre mit einem amerikanischen Schulbus durch Europa, stehe auf Bühnen, entwickle Projekte, probiere aus, mache Fehler, fange neu an, verwerfe Dinge wieder und träume größer.

Und irgendwann war da auch dieser eine Gedanke: Ich mache einen Wechseljahressong.

Weil ich gerne laut bin, weil ich mich auf Bühnen wohlfühle und weil ich Dinge gerne nach draußen trage, über die sonst oft nur leise gesprochen wird. Wenn wir schon über Wechseljahre sprechen, warum dann nicht auch mit Musik?

Aus diesem Gedanken wurde MenoFlow. Mein Song über genau diese Lebensphase. Über das Chaos, über Veränderung und über all das, was plötzlich anders ist. Aber eben auch über Freiheit und über dieses Gefühl: Da kommt noch was. Und zwar nicht weniger, sondern mehr.

Dass ich diesen Song heute auf Bühnen singe, hätte die 39-jährige Nana wahrscheinlich niemals geglaubt.
Und genau deshalb bedeutet er mir so viel.

Mein Leben ist nicht kleiner geworden.
Es ist größer geworden.

Heute ist mein Leben nicht kleiner geworden. Es ist größer geworden. Ich habe mehr Freiheit, mehr Klarheit, mehr Mut, mehr Ideen, mehr Neugier und viel mehr Lust auf meine Zukunft.

Ich erfülle mir heute Träume, die teilweise jahrelang irgendwo in meinem Kopf lagen. Ich reise, baue Dinge auf, gehe Wege, die ich früher vielleicht nie gegangen wäre, lerne neue Menschen kennen, lasse Altes los und entwickle mich weiter.

Und vor allem weiß ich heute, dass noch so viele Abenteuer auf mich warten.

Wechseljahre müssen nicht das Ende von etwas sein

Vielleicht ist genau das die Botschaft, die ich heute am World Menopause Day weitergeben möchte: Vielleicht sind die Wechseljahre nicht der Anfang vom Unsichtbarwerden. Vielleicht sind sie für viele Frauen genau der Moment, in dem sie anfangen, sich selbst wieder wirklich zu sehen.

Vielleicht geht es gar nicht darum, wieder die Frau zu werden, die du mit 30 warst. Vielleicht musst du nicht deinen alten Körper zurückbekommen, dein altes Leben, deine alte Energie oder dein altes Ich.

Vielleicht darf da eine neue Version von dir entstehen. Eine Frau, die viel erlebt hat, etwas aufgebaut hat, gefallen ist, geliebt hat, Menschen verloren hat, gearbeitet hat, sich gekümmert hat und verdammt viel geschafft hat. Und die jetzt anfangen darf zu fragen: Was mache ich mit all dieser Erfahrung?

Frauen in unserer Lebensmitte fangen nicht bei null an. Wir kommen mit einem ganzen verdammten Leben im Gepäck. Mit Erfahrung, Fehlern, Wissen, Narben, Geschichten und mit Mut, auch wenn wir ihn manchmal selbst gar nicht sehen.

Und vielleicht müssen wir uns jetzt nicht kleiner machen, weil wir älter werden. Vielleicht dürfen wir größer denken. Neue Träume haben, neue Wege gehen, uns von Dingen trennen, die nicht mehr passen, oder bleiben, aber anders. Wir dürfen uns neu verlieben, alleine reisen, ein Unternehmen gründen, ein Buch schreiben, einen Bus kaufen, einen Song machen, noch einmal komplett neu anfangen oder einfach zum ersten Mal wirklich sagen: Ich bin jetzt auch mal dran.

Die größten Abenteuer liegen noch vor dir

Heute denke ich manchmal an die Nana mit 39. An diese Frau, die dachte, jetzt beginnt eine Phase, in der sie langsam unsichtbar wird. Ich würde ihr heute so gerne sagen: Du hast keine Ahnung, wie viel Leben noch auf dich wartet.

Du wirst noch so viele Dinge tun, von denen du heute noch überhaupt nichts weißt. Du wirst Entscheidungen treffen, vor denen du Angst hast. Du wirst neu anfangen, dich verändern und dich selbst überraschen.

Und irgendwann wirst du verstehen:

Das Leben ist nicht weniger geworden.
Das Leben ist so viel mehr geworden.
Und die größten Abenteuer liegen noch vor dir.

Sei mutig. Vielleicht beginnt dein nächstes Kapitel genau jetzt.


Dein Beitrag zum Magazin

Dieses Magazin lebt nicht von mir allein.
Es lebt von Frauen, die irgendwann gesagt haben: Jetzt bin ich dran.

Vielleicht bist das du. Vielleicht hast du mit 54 nochmal alles umgeworfen.
Vielleicht hast du in den Wechseljahren etwas gelernt, das dir keine Ärztin erzählt hat. Vielleicht ist deine Geschichte auch einfach nur ein ehrlicher Satz über einen Dienstagmorgen, an dem du dich selbst nicht mehr erkannt hast.

Schreib sie mir.
In deinen Worten, so schief und ehrlich, wie sie ist. Ich lese jede einzelne.


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Was ist die Perimenopause?